Am Freitagabend lieferten sich am Rorschacher Hauptbahnhof 20 Jugendliche eine Massenschlägerei. Beteiligt waren angeblich auch Mitglieder von zwei St. Galler Jugend-Gangs. LA-13 und NB-16 nennen sie sich, wie die Zeitung «20 Minuten» berichtete.
Dass es sich bei den Jugendlichen Schlägern wirklich um Gang-Mitglieder nach amerikanischem Vorbild handelt, bezweifelt Hans Eggenberger (siehe Kasten). «Gang ist ein grosses Wort, nur weil sich ein paar Jugendliche treffen, pöbeln und sich prügeln», sagt der Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei. Eggenberger spricht lieber von einer Gruppierung, die meist «in unterschiedlicher Besetzung» unterwegs sei. Seien die Jugendlichen alleine oder zu zweit, würden sie sich ganz normal benehmen. «Erst die Gruppendynamik bringt sie dazu, dreinzuschlagen.» Dass nun ein Bild im Internet aufgetaucht ist, das ein Mitglied von LA-13 mit Schusswaffen zeigt, findet Eggenberger «bedenklich». Die Polizei gehe dieser Sache nach. «Die strafrechtliche Relevanz muss geprüft werden.»
Auch Olga Moissiadu ist «überrascht und schockiert», dass ein Jugendlicher aus St. Gallen im Internet mit Waffen posiert. Softguns, Schlagringe und Messer seien manchmal ein Thema, sagt die Leiterin der Quartierjugendarbeit Lachen-Bruggen. Nicht aber Schusswaffen. Die Angelegenheit müsse ernst genommen werden. «Pushen wollen wir das aber nicht.» Denn auch Olga Moissiadu ist der Meinung, dass es in St. Gallen keine «richtigen Gangs» gibt.
Die Namen der Gruppen sind gemäss der Jugendarbeiterin eine Herkunftsbezeichnung: LA-13 stehe für das Lachenquartier mit der Postleitzahl 9013, NB-16 für das Neudorf. Mit ihrer Namensgebung imitieren die Jugendlichen dennoch Gangs wie die Mara Salvatrucha, die in Los Angeles gegründet worden ist und sich auch MS-13 nennt.
Sie selber habe erst seit ein paar Wochen Kenntnis von einer Gruppe namens LA-13, sagt Olga Moissiadu. «Im Quartier sieht man immer wieder entsprechende Tags.» Dahinter vermutet sie Jugendliche, die sich stark mit dem Lachen-Quartier identifizierten. Kommt hinzu, dass Lachen vor wenigen Jahren von der Zeitschrift «Facts» als «Ghetto» bezeichnet worden ist. «Viele haben das gleich verinnerlicht und verwenden den Begriff auch heute noch», sagt Olga Moissiadu. «Sie sagen dann von sich, dass sie aus dem Ghetto kommen.»
«Jugendgruppen hat es schon immer gegeben», relativiert auch Benjamin Lütolf, Mediensprecher der Stadtpolizei. «Wir reden deshalb weder von Banden noch von Gangs, sondern von Gruppierungen.» Die Jugendpolizei habe sich nun der Sache angenommen.
Auch bei der Quartierjugendarbeit wird man sich mit Ghetto, Gangs, Waffen und Schlägereien befassen. «Wir werden bei Jugendlichen nachfragen und darüber diskutieren», sagt Leiterin Olga Moissiadu.
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