Um den Hanf-Geruch, der an der Torstrasse wahrzunehmen ist, kursieren die wildesten Gerüchte. «Da betreibt jemand eine Indoor-Hanfplantage», war sich ein Anwohner sicher. Andere glaubten eher, der Geruch stamme von der Brauerei Schützengarten oder von neu herangekarrter Erde.
Nun hat die Kantonspolizei herausgefunden, dass eine andere Pflanze den intensiven Duft verströmt: der Rosenwaldmeister (siehe Kasten). «Anfang Juli machten uns zwei Gärtner darauf aufmerksam, dass diese Pflanze für den Hanf-Geruch verantwortlich sein könnte», sagt Hans Peter Eugster, Mediensprecher der Kantonspolizei. Tatsächlich wurden solche Gewächse am Rand des Unteren Brühl entdeckt. Eugster: «Wir packten ein paar Blätter in eine Plastiktüte und liessen unsere Leute daran riechen, ohne dass sie vom Inhalt wussten.» Das Ergebnis: Alle behaupteten, Hanf zu riechen. Die subjektive Wahrnehmung wurde durch den forensischen und naturwissenschaftlichen Dienst der Kapo bestätigt.
Der Rosenwaldmeister riecht nicht ständig nach Hanf. Das ist vielleicht der Grund, weshalb die Auflösung des Duft-Rätsels so lange dauerte. Zerreibt man die Blätter zwischen den Fingern, ist ein anderer, scharfer Geruch wahrzunehmen. Deshalb ist Christoph Bücheler, Leiter des städtischen Gartenbauamts – trotz der polizeilichen Untersuchungen –, weiter skeptisch, ob der Hanf-Geruch von den Bodendeckern stammt. Er macht auf andere Duftpflanzen aufmerksam, die an der Torstrasse wachsen – wie die Stinkende Nieswurz oder das Gedenkemein.
Wenn man sich über die Stauden des Rosenwaldmeisters beugt und einen Moment wartet, kann man aber ganz deutlich süsslichen Hanf-Geruch wahrnehmen, das findet auch Bücheler. In geschlossenen Räumen verbreitet die Pflanze schnell einen Geruch, dass man nach kurzer Zeit das Gefühl hat, sich tatsächlich in einer Hanfplantage zu befinden.
Die Düfte, die der Rosenwaldmeister ausströmt, stammen von ätherischen Ölen, die bei höheren Temperaturen freigesetzt werden. Auch wenn der Rosenwaldmeister praktisch gleich riecht wie Hanf, rät Bücheler davon ab, die Blätter zu rauchen. «Das hätte nicht dieselbe Wirkung wie Cannabis, da der Rosenwaldmeister kein THC enthält.» Giftig sei die Pflanze vermutlich nicht. Bücheler konnte aber auch nicht mit Sicherheit sagen, ob sie völlig ungefährlich ist. Anwohner der Torstrasse müssen sich wohl oder übel an den Duft vom Unteren Brühl her gewöhnen: Der Rosenwaldmeister soll nicht entfernt werden.
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