St.Gallen: 21. November 2008, 07:50

Einsprecher bauen nun selbst

Parzelle Haldenhof 6: Am neuen Projekt ist die Familie Kriemler als frühere Einsprecherin selbst beteiligt. 

Für die letzte Grünfläche an der Felsenstrasse gab es einige Projekte. Sie scheiterten an Einsprachen – auch von Akris-Besitzer Max Kriemler. Nun will die Stadt das Land an eine AG verkaufen, an der die Familie Kriemler beteiligt ist.

andreas kneubühler

Die Parzelle Haldenhof 6 ist ein verwilderter Garten und die einzige grössere Grünfläche an der Felsenstrasse, die noch nicht verbaut ist. Seit mehr als 40 Jahren existieren Pläne für das Grundstück, das der Stadt gehört. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

«Wir wollen die Parzelle verkaufen», bestätigt Bausekretär Alfred Kömme Gerüchte aus dem Quartier. Das Geschäft sei aber noch nicht abgeschlossen, präzisiert er. Interessent sei eine Gruppe um den Architekten Hans Jörg Schmid, mit dem hauptsächlich verhandelt worden sei. Schmid gehört unter anderem die Burgweiher-Liegenschaft, in deren Randbereich 2004 eine Umzonung vom Stimmvolk abgelehnt worden war. Laut Handelsregister sind bei der Haldenhof St. Gallen AG auch Niklaus Staerkle (Ruckstuhl Transport AG) und Peter Kriemler (Akris, Einstein) dabei.

Mehrere Anläufe

Damit wird der geplante Landverkauf brisant – wegen der Vorgeschichte. Es gab nämlich bereits verschiedene Anläufe, den Überbauungsplan aus dem Jahr 1961 umzusetzen. Vorgesehen war bereits damals, dass als Verlängerung der Liegenschaften Felsenstrasse 60/62 Wohnhäuser erstellt werden. Bis 2005 stand auf dem Grundstück ein mit der Zeit baufällig gewordenes Wohnhaus, das längere Zeit leer stand und dann abgebrochen wurde.

In den 1990er-Jahren wurde die Wohnbaugenossenschaft Haldenhof gegründet, die zusammen mit dem Architekten Felix Sigrist Eigentumswohnungen plante. Beim ersten Anlauf unterlief der Stadt ein Verfahrensfehler, ein Nachbar war nicht informiert worden. Der Kanton stoppte deshalb das Projekt. Für den zweiten Versuch wurden die Dimensionen des Baus reduziert.

Doch auch dagegen gab es Einsprachen von Privaten, unter anderem von Max Kriemler, dem die angrenzenden Liegenschaften sowie weitere Grundstücke in der Nachbarschaft gehören. Die Auseinandersetzung ging durch mehrere Instanzen. Schliesslich hiess das Verwaltungsgericht die Einsprachen gut. Die Stadt hätte die Interessen des einsprechenden benachbarten Grundeigentümers an Änderungen am Überbauungsplan prüfen müssen, bemängelte das Gericht.

Risiko war zu gross

Seither sei das Projekt nur noch auf Sparflamme weiterverfolgt worden, schildert Reto Antenen von der Genossenschaft Haldenhof die Fortsetzung. «Wir hätten das Projekt nur gegen grösste Widerstände realisieren können», ist er überzeugt. Er habe deswegen mit Max Kriemler einige heftige Auseinandersetzungen gehabt, erinnert sich Antenen. Das Risiko wäre gewesen, am Schluss noch vor Bundesgericht zu verlieren, dieses finanzielle Wagnis habe die Genossenschaft nicht eingehen können. Man habe deshalb das Vorhaben der Stadt zurückgegeben. Die neuen Investoren seien finanzkräftig genug, um die Überbauung durchzuziehen, ist er überzeugt. Ausgehandelt wurde, dass die Genossenschaft Haldenhof für ihre Projektarbeiten eine Entschädigung erhält. Bei einer Bilanz der Geschichte schwinge allerdings auch «Resignation gegenüber den Mächtigen» mit, meint Antenen.

Nicht der einzige Einsprecher

Hat die Stadt das Grundstück derjenigen Familie verkauft, die die ganze Zeit alle Projekte blockiert hat, und sie gar damit belohnt? Diesen Vorwurf weist Bausekretär Alfred Kömme zurück. Es sei eine ganze Gruppe, die als Käufer auftrete, und nicht die Familie Kriemler. Zudem sei Max Kriemler jeweils nicht der einzige Einsprecher gewesen, stellt der Bausekretär klar. Die Parzelle liege an guter Lage, und es sei wichtig, dass dort ein Wohnbauprojekt realisiert werden könne.

«Verschiedene Geschichten»

Das seien zwei verschiedene Geschichten, sagt auch Max Kriemlers Sohn Peter Kriemler als Sprecher der Familie. Beim früheren Projekt sei es um ein Einzelobjekt gegangen. Beim Vorhaben der Haldenhof AG liege die Intention in einer Gesamtlösung, bei der das Umfeld des Grundstücks zwischen Wassergasse und Felsenstrasse samt Zufahrten mitgeplant würden. Die Familie Kriemler sei einbezogen worden, weil sie Grundstücke besitze, die Teil des Planungsgebiets seien, erklärt er.

Für den Verkauf des Grundstücks braucht es jetzt noch einen Beschluss des Stadtrats.


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