Ostschweiz: 21. November 2008, 01:00

Frauen neu archiviert

Das Archiv für Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz stand auf der Strasse. Seine Räume waren gekündigt worden. Nun hat es eine neue Adresse – dank des Frauenvereins.

regula weik

St. Gallen. Es war ein Hilferuf, als die Vorstandsmitglieder des Archivs für Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz im Sommer an die Öffentlichkeit gelangten. Und ein Bettelbrief zugleich. Was war geschehen? Hinter dem Aufruf steckte eine Kündigung: Dem Archiv waren die Räume an der St. Leonhard-Strasse in St. Gallen gekündigt worden. Der Vermieter will das Haus renovieren. «Wir hatten einen günstigen Mietzins», sagt Marina Widmer, Vorstands- und Gründungsmitglied des Archivs. Und tönt damit an: Der finanzielle Spielraum des Archivs ist gering – bis gar nicht vorhanden.

Mehr Platz

Der Hilferuf wurde gehört – vom gemeinnützigen Frauenverein. Er war auf der Suche nach einem neuen Mieter oder einer neuen Mieterin für eine Wohnung an der Florastrasse – nahe der Bushaltestelle Singenberg in der Stadt St. Gallen – und bot die Räume dem Archiv für Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz an. Dieses liess sich nicht lange bitten. «Es waren die stilvollsten Räume, die wir sahen, und wir haben viele besichtigt», sagt Marina Widmer.

Doch nicht die Holzböden und die Stuckdecken gaben den Ausschlag für die neue Adresse – vielmehr waren es der Platz und die Miete. «Wir haben neu 130 Quadratmeter», sagt Marina Widmer. Fast doppelt so viel wie bisher. Und so wurden wacker Gestelle aufgebaut – und mit den Archivalien bestückt. «Vieles, das an der alten Adresse in Kästen schlummerte, können wir nun präsentieren.»

Interessiert an Materialien

«Unsere Arbeit ist noch lange nicht fertig», sagt Marina Widmer. Es gebe noch viele unentdeckte, unerforschte Materialien zu Frauenleben. Das Archiv ist daher interessiert an Materialien von Frauenvereinigungen und sozialen Bewegungen sowie an Nachlässen privater Personen, seien es Briefe, Tagebücher, datierte Fotos. «Wir nehmen gerne Materialien entgegen», sagt Marina Widmer. Auch am Samstag, am Tag der offenen Tür. Am Mittwoch war bereits der Frauenverein Degersheim nach St. Gallen gereist: Er löst sich auf – und er übergab dem Archiv sämtliche Unterlagen.

«Weit entgegengekommen»

Bleiben die Kosten: «Der gemeinnützige Frauenverein kam uns mit dem Mietzins weit entgegen», sagt Marina Widmer. Das Archiv hält sich seit Jahren dank Mitgliederbeiträgen – es sind gut hundert –, Spenden und Untervermietungen über Wasser.

Tag der offenen Tür: Samstag, 22. November, 14 bis 17 Uhr. Archiv für Frauen- und Geschlechtergeschichte Ostschweiz, Florastrasse 6, 9000 St. Gallen

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