Ostschweiz: 21. November 2008, 09:20

Runde Kunst, die aneckt

Die Künstlerin Sylvia Bühler Ende Oktober, als das Kreiselprojekt vorgestellt wurde, zusammen mit (von links) Schlosser Werner Strub, Gemeindepräsident Walter Grob, Martin Sieber (Fundament) und Gemeinderat Alois Zoller (Beleuchtung). 

«Knotenpunkt», ein Werk der Künstlerin Sylvia Bühler im Auer Dorfkreisel, wird seit Tagen heftig kritisiert. Die Herisauerin begegnet der Kritik aber gelassen: «Der Knoten charakterisiert Au.»

Sylvia Bühler, Ihre Kreisel-Kunst provoziert. Wissen Sie davon?

Sylvia Bühler (überrascht): Ach ja? Nein, das wusste ich nicht.

Auf www.myrheintal.ch/forum sind die Meinungen von über 50 «Rheintaler»-Leserinnen und -Lesern zu finden. Schauen Sie doch bitte mal rein, dann können wir uns nachher unterhalten.

Eine halbe Stunde später.

Haben Sie gerechnet, dass «Knotenpunkt» so wenig Gefallen findet?

Bühler: Dass der Knoten Reaktionen auslöst, damit habe ich schon gerechnet.

Aber…

Bühler: Bei einem Kunstwerk ist es immer so, dass es den einen gefällt und den anderen nicht. Damit muss ich als Kunstschaffende leben können.

Sie sprechen aus Erfahrung?

Bühler: Oh ja! Wer Kunstwerke schafft, sieht sich immer auch mit Kritik konfrontiert. Ich nehme an, Ihnen als Journalist ergeht es nicht anders.

Viele Urteile über Ihren «Knotenpunkt» sind vernichtend. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Bühler: Es ist vielleicht nicht wirklich kommuniziert worden, worum es beim Knoten geht. Er steht in der Mitte des Dorfs mit Ausgängen und Eingängen in alle vier Richtungen und hat entsprechenden Symbolcharakter.

Doch, doch. Über das Kunstwerk und die mit ihm verbundenen Ideen wurde berichtet.

Bühler: Dann haben das halt viele nicht gelesen.

Dann sagen Sie uns doch bitte noch einmal mit eigenen Worten, worum es beim «Knotenpunkt» geht.

Bühler: Das Kunstwerk charakterisiert auch die Gemeinde Au. Auf den Endrohren sind die Begriffe Knotenpunkt, Lebensraum, Arbeitsplatz und Heimatort zu lesen. Zusammen mit dem jetzt noch fehlenden Rheinkiesel und der vorgesehenen Beleuchtung wird eine eindrückliche Wirkung erzeugt.

Der Einwohnerverein hatte ja einen Wettbewerb durchgeführt. Von den vielen Ideen ist wenig übriggeblieben.

Bühler: Da täuschen Sie sich. Das Gegenteil trifft zu. Ein grosser Teil der Ideen wurde einbezogen, was unter anderem die genannten Begriffe wie Heimatort oder Arbeitsplatz begründet.

Sie beziehen sich auf die Beschriftung. Diese wird im Internet-Forum als «geradezu dilettantisch» bezeichnet.

Bühler: Die Wörter wurden ganz bewusst von Hand geschrieben und nicht mit Hilfe einer Schablone. Ich wollte so eine gewisse Weichheit, im wahrsten Sinne des Wortes eine persönliche Handschrift ins Werk bringen.

Was sagen Sie zu Vorschlägen, die Plastik möge wenigstens mit Farben versehen werden?

Bühler: Für den Rost sprechen verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass der Knoten kitschig wirken würde, wäre er farbig bemalt. Ausserdem ging es bei der Erstellung darum, den finanziellen Aufwand möglichst gering zu halten und allfällige Folgekosten von vornherein auszuschliessen. Dabei ist auch der leider nie ganz auszuschliessende Vandalismus ein Aspekt.

Interview: Gert Bruderer

Weitere Artikel zu diesem Thema :

Anstössige Kreisel-Kunst

«Chotz», «Hundegagel», «rostiger Knoten», «Schade ums Geld»: Die Visitenkarte der Gemeinde Au – der Kreiselknoten im Zentrum – provoziert Reaktionen, seit Tagen. Zumindest im Internet unter www.myrheintal.ch/forum dominieren die ablehnenden Stimmen. ... »


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